Warum Schule generalüberholt gehört

Schule. Die Vorbereitung und Testphase für ein Leben in der Berufswelt. Triste Wände, eine Tafel und 25 müde Gesichter, völlig desillusioniert und mit den Gedanken beim letzten WhatsApp-Beef in der Klassengruppe. Nicht zu vergessen ein Lehrer, der am Vortag bis Mitternacht Klausuren korrigiert hat und nun mit aller Mühe versucht, den Haufen zumindest in irgendeiner Weise zu begeistern. Ein Bild, welches sich, zumindest ansatzweise, in vielen deutschen Schulen wiederholen wird. 

Der Klassenraum scheint sich mehr und mehr zu einer Art Parallelwelt zu entwickeln. Aber woran liegt das? Und wozu führt das?

Heute bedienen Kleinkinder ein iPad besser als die meisten Rentner. Kinder und Jugendliche wachsen in einer sich immer schneller wandelnden, digitalen Welt auf. Meine Generation (Generation Y) ist immer verbunden und hat auf Knopfdruck Zugriff auf alle Informationen dieser Welt. 

Kommen wir aber in der Schule an, prallen wir gegen eine Wand aus längst vergangenen Tagen. Bücher, meistens mehrere Jahre alt und zumindest in gesellschaft- und wissenschaftlicher Hinsicht teils längst überholt, stecken, wenn nicht Zuhause vergessen, in kiloschweren Rucksäcken und werden nur wiederwillig gelsesen. Eine immer gleiche Abfolge: lesen, wichtiges herausschreiben und am Ende den Inhalt wiedergeben. Ein trockenes und vorallem ineffizientes Verfahren, um sich Wissen anzueigen. 

Dazu kommt noch, dass Großteile von dem was wir lernen, in Zukunft und in Bezug auf die "Industire 4.0" von nur sehr geringer Relevanz sein wird. Welches Unternehmen braucht denn später Mitarbeiter, die stumpf auswendig gelernte Matheformeln anwenden oder eine Gedichtsanalyse in 4 Sprachen schreiben können!? (ich erinnere an den Tweet von Naina aus 2015 und die darauf entfachte Disskussion, ob Schule mehr Alltagswissen vermitteln sollte)

Damit möchte ich nicht sagen, dass es unvorteilhaft ist, 4 Sprachen zu beherrschen oder mit Grundlagen der Literatur vertraut zu sein. Doch  eine solch einseitige Bildung führt eben nicht zu Problemlösekompetenzen, mit denen man zukünftige Aufgaben wie den Klimawandel, den Verlust von Arbeitsplätzen aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung oder die Splatung der Gesellschaft meistern kann. 

Etwas überspitzt bedeutet das, dass, wenn Schüler und Eltern nicht privat vorsorgen, Menschen auf die Berufswelt losgelassen werden, die im schlimmsten Fall von Tuten und Blasen keine Ahnung haben! 

Jetzt gibt es einige Konzepte, bei denen Schüler nur noch digital via iPad lernen, alle selbstbestimmt unterwegs sind und der Philosophie des Silicon Valleys folgen. Ich denke ein solches Konzept klingt erstmal verlockend, doch brauchen wir nicht nur noch Menschen, die gleich ein Startup gründen und einen auf Mark Zuckerberg machen. 

Eine sinnvolle Waage aus klassischen Inhalten, eben nur lebendiger visualisiert und "Zukunftskompetenzen" wie das Lernen aktueller Programmiersprachen und Grundsätzen der Mediengestaltung usw., wäre hier meiner Aufassung nach ein vielversprechender Weg.

Die Technik haben wir schon jetzt. Vektoren in Mathe könnten per Virtual Reality zum leben erweckt werden und kollaborative Aufgaben über im Netwerk verbundene Tablets erledigt werden. Biologische Prozesse könnten von Schülern selbst animiert und verstanden werden. In technischen Fächern könnten Schüler 3D Modelle entwickeln und diese per 3D Drucker zum Leben erwecken. 

 

Doch Schülerinnen und Schülern diese bereits existierenden Technologien zu Verfügung zu stellen, ist eine andere Bauselle. Denn wo soll man anfangen, wenn teilweise der Putz von den Wänden bröckelt und schon jetzt administrative Stellen im Bereich Computer und Internet in Schulen nicht belegt oder nichtmal ausgeschrieben sind? 

Ich kann von Glück reden, dass die Lehrerinnen und Lehrer an meiner Schule im Grunde sehr engagiert sind. Doch kann man von keinem verlangen, gar selbst in solche Technik zu investieren und sich neben der Vorrbereitung von Unterrcht, der Korrektur von Klausuren und Aneignung neuer Fähigkeiten, noch um die individuelle Entwicklung von zumindest einer gewissen Medienkompetenz bei Schülerinnen und Schülern zu kümmern.

 

Hier ist also die Politik gefragt. Also, liebes Land NRW und Sylvia Löhrmann, bringt die Generalüberholung von "Schule" in Gang. Ganz im Sinne von "Make Schule Great Again!"

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Kommentare: 2
  • #1

    Jörg Heynkes (Sonntag, 16 April 2017 09:47)

    Guter Beitrag!
    Lieben Dank dafür!
    Habe ihn mal auf meiner Fanpage bei FB verlinkt.
    Mal sehen was die anderen dazu sagen.

  • #2

    Unknown (Donnerstag, 06 Juli 2017 23:29)

    Trifft den Nagel auf den Kopf